Haters gonna hate
Am Wochenende wurden endlich viele Diablo III Fans erhört und Blizzard startete die Open Beta des kommenden Hack & Slay Blockbusters. Danach wurde es allerdings lustig. Um die Blödheit vieler Spieler zu sehen, musste man sich nur mal in den Foren die Reaktionen ansehen.
Die Beta stellt nur ca. ein Drittel des 1. Aktes (von insgesamt 4) des Spiels dar. Diese Info ist seit weit über einem halben Jahr bekannt. Das hindert die Spieler anscheindend nicht, solchen Unfug zu posten:
“lol nur 3h gespielt und ich habe das Spiel durch! FU Blizz, 60 Euro für 3h spiel!
Wieso sollte ich mir das überhaupt noch kaufen, habs ja nun durch!”
Mein persönlicher Favorit war aber er hier:
“Beta hat noch nicht begonnen, warte im Hauptmenü. Die Musik ist schrecklich, was für ein Scheiss Spiel!”
Ganz toll, oder?
Und natürlich gab es Serverausfälle. Das Battle.net schmiß einem geradezu die wildesten Fehlermeldungen um die Ohren. Laut offiz. Forum gab es sogar Spieler, die am WE hätten arbeiten müssen und sich extra freigenommen haben. Jetzt ist das Geheule natürlich groß, weil teilweise nichts ging. Was soll ich da sagen außer: SELBST SCHULD! Wer meint, eine Open Beta wäre ein Geschenk von Blizzard an die Fans, der irrt. Im Gegenteil, wer versucht zu Spielen, macht eher noch Blizzard ein Geschenk. Es ist nämlich gar nicht Sinn der Sache, in dieser Zeit spielen zu können. Nein, die Spieler sollen sogar wie die Blöden gegen den Login-Server anrennen. Dieses Wochenende war nichts anderes als ein Stresstest. Eben genau dafür, dass beim eigentlichen Release alles so reibungslos wie möglich verläuft. Wie immer wurde z.B. von den meisten Spielern das kleine “Breaking News” Feld im Login-Screen übersehen. Nicht umsonst stand da immer mal wieder, dass man mit den Kapazitäten spielt, diese erhöht oder minimiert. Es geht hier ganz allein um Load Balancing und Serverstabilität. Im Hintergrund laufen bei Blizzard massig Analyse- und Reportingtools. Also, penetriert bitte weiter die Server. Nur so ist gewährleistet, dass am 15. Mai alles glatt läuft. Kurz: Zuerst Informieren, dann rumheulen.
Ich für meinen Teil kann die Beta schon seit ein paar Wochen spielen, daher möchte ich noch auf die weiteren Kritikpunkte eingehen, die man am häufigsten liest:
Grafik:
Hier ist es prinzipiell wie bei World of Warcraft. Über den Stil an sich kann man streiten. Technisch ist der Unterbau auf den 1. Blick nichts wirklich anspruchsvolles, aber wie immer bei Blizzard wirkt alles wie aus einem Guß und vor allem die kleinen Details, diese unzähligen kleinen Details, die perfekt aufeinander abgestimmt sind, gibt es in keinem anderen Spiel. Ja, diese Details. Wenn Raben aus dem Bild auf den Spieler zufliegen, Ratten aufgescheucht über den Weg rennen. Wenn Nebelschwaden über spärlich durch Laternen beleuchtete Wiesen ziehen. Wenn das schwarze Geäst der Bäume an einem vorbeizieht… Das schafft Stimmung und Atmosphäre. Apropos: Erinnert sich noch wer an die Flames, als 2008 die ersten Screenshots und Videos der öffentlichkeit gezeigt wurden? “Zu bunt! OMG ein Regenbogen! Nicht düster genug!” Ich kenne auch nur das besagte Drittel des 1. Akts, aber bunt? Nein. Nicht düster? Brennende Leichenberge, an Bäumen baumelnde, aufgeblähte Leichen, Blutlachen mit Leichenteilen… auch hier sind es die vielen grausigen Kleinigkeiten. Vom Gorefaktor, der gegenüber den Vorgängern sehr deutlich in die Höhe geschraubt wurde einmal abgesehen. Und übrigens: Wenn ein Wasserfall durch Lichtbrechung einen Regenbogen erzeugt, dann ist das nur ein weiterer Beweis für die Detailfülle, die einem hier mit der Grafik geboten wird.
Permanente Internetverbindung:
Klingt komisch, ist mir aber egal. Vielleicht liegt das an meiner World of Warcraft Vergangenheit, aber wenn ein Dienst eben nicht verfügbar ist, dann ist er das nicht. War WoW übermäßig lange down, gab es kostenlose Spielzeit. Ob und was sich Blizzard hier bei Diablo III einfallen lässt, wird sich zeigen. Rückblickend hatte ich in den letzten Jahren wohl mehr Probleme mit meinem Internetprovider als mit den Blizzard-Servern. Wenn es halt mal einen Tag nicht geht, ist das doof. Dann liest man halt ein gutes Buch. So einfach ist das. Wer das Spiel als MMO bezeichnet, hat sowieso nichts verstanden. Einzig und allein nachvollziehbar bleibt für mich die Kritik, dass man auch online sein muss, um den Single Player – Part des Spiels zu benutzen. Wobei die Grenzen hier verschwimmen. Prinzipiell gibt es keinen SP-Part, man ist immer in einem Onlinespiel, wenn man alleine ist, ist dieses halt closed. Man kann es jederzeit für andere Spieler öffnen. So ist es mir ehrlichgesagt lieber, als dass ich bei Release vor der Frage stehe, ob ich jetzt MP oder SP spielen soll….denn ich habe einfach, je nach Laune, beides.
Skills:
Nichts wurde in der Diablo III – Entwicklung so oft umgeworfen wie das Skillsystem.
Und auch hier ist das Geheule am größten. Manch einer behauptet sogar, es gäbe kein Skillsystem mehr. Aktuell ist es so, dass bei einem bestimmten Level verschiedene Skills freigeschaltet werden. Somit hat jeder Char der einen bestimmten Level erreicht auch alle entsprechenden Skills. Es wird also auf einen Skilltree verzichtet. Angeblich fällt jetzt jede Charakterindividualisierung flach. Aber mal ehrlich. Wie hat man Diablo II in der Vergangenheit gespielt, wenn man neu angefangen hat? Char erstellt und erst einmal in diversen Guides nachgeschaut, was man denn so skillen soll. So lief es im Endeffekt auf eine kleine Auswahl an verschiedenen Builds hin. Ist man einem Char begegnet, konnte man mit hoher Wahrscheinlichkeit raten, welchen der bekannten Skilltrees er benutzt. Hat man einen falschen Build ausgewählt, kam man irgendwann im Spiel einfach nicht mehr weiter. Talentpunkte neu verteilen? Ging nicht. So war das damals. Also nach vielen Stunden, Tagen und Wochen Char neu erstellen und von vorne beginnen. Nur weil man einmal nicht da hingeklickt hat, wo man soll. Und es kann halt nicht sein, dass ich mich im Internet informieren muss, um ein Spiel zu spielen. Ergänzende Infos aus Foren, kein Ding. Aber alles andere kann nicht Sinn der Sache sein. Wozu also Talentbäume? Das jetzige System ist sogar noch viel individueller! Man kann sich dank der Skillvielfalt jederzeit auf Situationen und Bosskämpfe einstellen, statt mit fixen Skills immer wieder gegen einen bestimmte Situation anzurennen. So kann man Pläne und Taktiken austüfteln.
Schwierigkeitsgrad:
Oft gelesen: Die Beta ist zu einfach! Das stimmt. Aber das ist nicht schlimm. Wie gesagt, die Beta stellt die ersten 2h des Spiels dar, wieso soll man da schon mehrmals verrecken? Zudem wurde der Schwierigkeitsgrad bei jedem Patch erhöht, bzw angepasst. Der Einstieg wurde von Blizzard bewusst einfach gestaltet bis man sich eingewöhnt hat. Da das Spiel aus vier Schwierigkeitsstufen besteht, habe ich keinen Zweifel, auch schon im “Normal” – Modus oft genug zu sterben.
Fazit:
Blizzard hat meiner Meinung nach einen würdigen Diablo-Teil entwickelt, der im Kern noch immer die Sammelwut und die Sucht fördert, was sich alleine darin zeigt, dass ich die Beta mehrmals hintereinander durchgespielt habe, ohne dass es mir langweilig wurde. Darüber hinaus wurden konsequent Altlasten beseitigt, die einfach nur nervig waren, wenn man ehrlich ist. Oder wem machte es Spaß, jeden einzelnen Golddrop anzuklicken oder nach dem erfolgreichen clearen eines Dungeons wieder mehrere Etagen zum Ausgang zurückzulaufen? Nein, ich brauche auch keine Scroll of Identify… hatte man sowieso immer dabei, oder worin besteht bitte der Anspruch die mit zwei Klicks kaufen zu gehen? Storytechnisch mache ich mir gar keine Gedanken, da ist Blizzard schon immer stark gewesen. Die Grafik schafft zusammen mit all den kleinen Details eine sehr dichte Atmosphäre und auch die Sprecher müssen sich nicht verstecken. Der 15. Mai kann (und soll endlich!) kommen =D
Anarchox am April 23rd 2012 in Gaming
