Superstau
Ich erlebe es fast täglich. Eineinhalb Stunden über die Autobahn nach Hause. Jede Verzögerung nervt und raubt einem wertvolle Minuten vom wohlverdienten Feierabend. Und doch fast alle drei km muss man aus voller Fahrt abbremsen. Stockender Verkehr oder sogar Stau. Seltener ist es ein Unfall, meistens diese nerv tötenden Baustellen, deren Notwendigkeit man sowieso nicht sieht. Beispiel: A6 Mannheim – Kaiserslautern. In der Höhe Grünstadt. Fast ein ganzes Jahr lang von drei Spuren runter auf eine. Im Feierabendverkehr heißt das, wenn es hoch kommt 20-30 Minuten mehr einplanen. Navigationsgerät sei Dank konnte ich einen Umweg finden. Zehn Minuten länger, 15 km weiter, aber Hauptsache man fährt. Ohne still zu stehen, was gerade im Sommer kein Vergnügen ist. Irgendwann aber bin ich dann doch noch einmal den regulären Weg gefahren und habe freudig festgestellt, dass diese riesen Baustelle von einem Tag auf den anderen Verschwunden war. Drei Spuren schimmernder Beton erstrecken sich bis zum Horizont. Endlich! Gas!
Das ganze hielt zwei Wochen.
Wieder einspurig. Wieder Baustelle. Wer macht sowas? Und warum? Gut, mittlerweile ist diese Baustelle auch wieder weg, aber die gesamte Strecke ist voll mit kleineren 80er Zonen. Die Leitplanken müssen erneuert werden. Sind doch noch gut?! Mich fragt ja (zum Glück?) keiner. Wenn alle Stricke reißen, wird halt wieder ein Umweg per Navi gesucht. Laut einem Bericht den ich vor ein paar Tagen erst gesehen habe, solle man doch auf jeden Fall im Stau bleiben, da der eventuelle Umweg unbekannt ist, man sich verfahren kann oder dort weitere unvorhergesehene Hindernisse auf einen warten können. Ganz ehrlich, ich fahre lieber den zehn Minuten längeren Umweg, als das ich Ewigkeiten rumstehen muss. Richtig schön sind auch komplette Autobahnsperrungen. Erst einmal steht man. Und steht. Und steht. Bei meiner letzten Vollsperrung die ich miterleben durfte, hat es geschlagene dreieinhalb Stunden gedauert, bis die Polizei bekannt gab, dass die Autobahn komplett dicht ist. Ja, JETZT darf man auch umdrehen und zurückfahren. Am liebsten wäre ich wieder zurück in die Firma, dort auf meinem gemütlichen Bürostuhl eingeschlummert. Nach mittlerweile fast 4 Stunden Verspätung konnte ich zuhause sowieso nicht mehr viel anfangen. Also kann ich doch gleich ins Büro zurück. Nein, wieder einmal hat sich das Navi rentiert und mir dann in entgegengesetzter Richtung noch einen mehr oder weniger schnellen Weg aus der Stadt gewiesen. Da ich eh nie Geld oder Zeit für einen Urlaub habe, trifft mich ein Stau zur Ferienzeit nur selten. Aber da hätte ich wenigstens mehr Zeit, da tickt keine Uhr. Schließlich hat man Urlaub. Alles Ansichtssache. Der nächste Stau kommt bestimmt, wie lang er auch sein mag. Anfangs versuche ich immer ruhig zu bleiben. Ich kann es ja doch nicht ändern. Das klappt dann auch meistens. Die ersten fünf Minuten. Danach würde ich dann so langsam anfangen ins Lenkrad zu beißen, aber Kunstleder ist nicht wirklich mein Geschmack. Ihr kennt das ja.
Man sieht sich im nächsten Stau
