Monatsarchiv für September 2007

Vivere Militare Est

Samsas Traum – 19.09.2007 – Ludwigsburg – Rockfabrik

Alexander Kaschte live und in Farbe. Er zeigt sich selten, aber wenn, dann beben die Wände. Da mir irre Menschen ja sowieso sympathisch sind und ich irgendwie auch fasziniert von der Art des K. bin, war das Konzert natürlich ein Muss!

Nach der Berufsschule bin ich erst mal was essen und dann direkt ins Auto und ab nach Ludwigsburg. Dank Navi auch sofort die Rockfabrik gefunden. Leider war es erst 15 Uhr, bis zum Einlass also noch vier Stunden. Ein Kollege aus meiner Berufsschulklasse wollte zusammen mit seiner Freundin aber kurz nach 17 Uhr auftauchen. Bei einer Band in dieser Größenkategorie war natürlich sonst noch keiner da. Bis besagter Kollege eintraf, habe ich aus purer Langeweile erst einmal meine 100 Freiminuten vertelefoniert und Leute genervt. So geht die Zeit auch rum. Mit ca. 30 Minuten Verspätung kam auch meine Begleitung nebst Freundin an. Gut, dann schauen wir mal, wo es hier reingeht. Nach allgemeinem Rumgewusel in den – sehr geil gestalteten – Innenräumen der Rockfabrik wurden wir hoch zu einem zweiten Eingang geschickt. Auch dort war noch niemand zu sehen. Das änderte sich erst gegen 18:30 Uhr. Langsam füllte es sich um den kleinen Eingang und die Karten wurden gezückt. Rein, Abreißen, Stempel auf die Hand und weiter. Öhm… wo ist die Bühne? Hier gibt’s nur Merchandise. Weiter da vorne raus? Ah, da steht ein Schlagzeug! DAS ist die Bühne?

Hüfthoch und ohne jeden Graben oder Absperrung. Einfach direkt vornedran stellen. Oder draufsetzen. Wie geil ist das denn bitte?!

Zum Thema Supportbands:

Nachtmahr – Ein Sideprojekt von Thomas Rainer, bekannt von L’âme Immortelle. Auch ein guter Freund Kaschtes. Außerdem noch Spiritual Front, mehr dazu gleich.

Erst war Nachtmahr an der Reihe. Thomas Rainer in Uniform betrat die Bühne, mit ihm ein (mir unbekannter) Keyboarder mit Gasmaske, ebenfalls uniformiert. Nicht umsonst lautet der Titel des Nachtmahr-Albums „Kunst ist Krieg“. Was folgt sind ca. 45 Minuten Elektro-Industrial der besseren Art. Die Band versteht ihr Handwerk, man denke nur an das L’âme Immortelle Meisterwerk „Als die Liebe starb“, dass auch aus Feder und Mischpult Rainers stammt. Musikalisch wurde das übliche geboten, vollgestopft mit Samples zum Thema Krieg. Im Hintergrund konnte man mehr oder weniger passende Kommentare von mehr oder weniger bekannten Persönlichkeiten zum Thema lesen, die per Beamer an die Rückwand der Bühne geworfen wurden. Wenn dieser nicht gerade Standby war oder Fehlermeldungen wegen Überhitzung zeigte ;) Die Publikumsreaktionen waren noch etwas verhalten, aber positiv. Ganz unbekannt ist der Herr Rainer in der Szene ja wie gesagt sowieso nicht. Insgesamt wurde die ganze Szenerie auch durch den Keyboarder aufgelockert, der mehrmals pro Lied seine Funkmaus vom Tisch beförderte, und diese erst quer über die Stage krabbelnd suchen musste. Die Musik lief natürlich perfekt gespielt weiter ;)

Nach der obligatorischen Umbauphase auf der engen Bühne (und ja, der Meister hilft hier noch selbst mit) erschienen vier Gestalten mit Anzug und Krawatte. Spiritual Front. Meine Begleiter und ich kannten diese Band noch nicht. Den Musikstil kann man auch nicht wirklich beschreiben, es klang fast poppig. Laut der Homepage der Band nennt man das ganze „Nihilistic Suicide Pop“. Gesundheit. Ich verweise hier einfach auf die Hörproben die es dort gibt. Die ersten beiden Lieder waren hörbar, dann war’s das aber auch schon. Eher langweilig. Wie auch bei Nachtmahr wurden kleine Filmchen im Hintergrund gezeigt, die ich zeitlich nicht genau einordnen kann, aber… sie waren alt.

Auch das ging vorbei und es folgte wiederum eine längere Umbauphase. Das weiße Laken, welches vorher als Projektionsfläche für die Filmchen diente, wich einem großen „Samsas Traum“-Banner. Endlich. Kabel wurden zusammengesteckt, Saxophone durch die Gegend getragen, ein herrliches Gewusel. Und darunter der Ex-Drummer von Cradle of Filth, Adrian Erlandsson. Wie auch immer er zu Samsas Traum gekommen sein mag, streng genommen müsste es für ihn einen Rückschritt darstellen, aber es ist gut, wie es ist. Schließlich konnte man das erste Mal auf ein Live-Schlagzeug zurückgreifen. Auch sind neuerdings zwei (!) Gitarristen mit an Bord und natürlich Daniel Schröder weiterhin an Saxophon und Bass-Klarinette. Noch während der Umbauarbeiten wurde die Bühne langsam abgedunkelt. Die ersten erschöpften Fans ließen sich am Rand der niedrigen Bühne nieder, um etwas Kraft zu tanken.

Plötzlich stand er da. Der Heiland. Gott. Der Antichrist. Der Soziopath. Der K. Alles in einem. Er hat viele Namen. Er hat viele Gesichter. Der Umriss des Monumentalen zeichnete sich in der Dunkelheit ab. Alexander Kaschte in voller Lebensgröße. Sämtliche mittlerweile auf der Bühne erschienenen Bandmitglieder hatten ihre Positionen bezogen und alle standen mit dem Rücken zum Publikum, während eine unheilvolle, aber zunächst ruhige Melodie erklang, die sich langsam und bedrohlich steigerte. Dann kein Laut mehr. Plötzlich brach mit einer brachialen Gewalt eine wuchtige Gitarrenwand durch die Stille, deren Druck einen hätte wegblasen können. Die ersten harten Riffs vom kommenden Album hämmerten sich durch den Club und hinterließen nichts außer verbrannter Erde. „Auf den Spiralnebeln“, bekannt durch die Samples auf der ST-Homepage. Alex gab direkt alles, nur die Technik leider nicht. Man hörte nichts von ihm. Mikrofon kaputt oder irgendwie sowas. Passiert – und wurde auch direkt nach der ersten Strophe behoben. Und was natürlich nicht fehlen darf: Direkt nach diesem Lied erst einmal: Anschiss vom Herrn K: „Bitte Mädels, ihr könnt rumspringen und tun was ihr wollt, aber hört auf euch auf meine Monitoring-Anlage zu setzen, hier wird sich doch nicht hingesetzt!!“ Recht hatte er.

Die Setlist wies eine gesunde Mischung aus Klassikern, neuem Material und raren Stücken (z.B. vom Saw-Soundtrack) auf. Auch eigentlich eher elektronisch oder klassisch angehauchte Lieder wurden an diesem Abend sehr metal-lastig vorgetragen. Da kam die Aufforderung von Kaschte doch recht. Sinngemäß: „Hier will ich keinen rumstehen und klatschen sehen. Ich will Pogo, ich will fliegende Haare sehen, vielleicht sogar einen Moshpit oder gar eine Wall of Death!!“ Die ganze Sache war zwar allein schon durch die Größe des Clubs unmöglich, verdeutlichte aber die Vorlieben Kaschtes. So hätte er es gern. Man gab sich natürlich alle Mühe, entsprechend tut mir heute noch der Nacken weh vom Bangen ;) Man merkt deutlich, dass Samsas Traum momentan sehr in die Metalrichtung tendieren. Da man so nah dran stand, war das ganze schon fast gefährlich, denn der Gitarrenhals kam einem manchmal doch sehr nah am Kopf vorbei. Zwischenzeitlich wurde es auch mit „Blut ist in der Waschmuschel“ etwas ruhiger. Immer wieder genial, wie sich Alexander bei diesem Lied in die Rolle eines Wahnsinnigen versetzen kann und diese Rolle perfekt ausfüllt. So viel muss er sich wahrscheinlich nicht verstellen…

Trotz der guten Stimmung ging natürlich auch dieses Konzert nach zwei Zugaben zu Ende. Der würdige Abschluss war, wenn ich mich recht erinnere: „Kugel im Gesicht“ vom Kaschte-Nebenprojekt „Weena Morloch“. Immer wieder gern gehört. Während sich die Menge langsam auflöste, drückte ich meinem Klassenkameraden noch Geld für ein Tourshirt in die Hand. Genau zur richtigen Zeit, denn Alexander Kaschte himself gab sich noch im hinteren Bereich des Clubs die außermusikalische Ehre. Autogrammwünsche befriedigen. Mit der Freundin meines Begleiters (haha, die arme Sau steht in der Menschentraube beim Merchandise ^^) ging ich zu K. und ließ meine Eintrittskarte signieren. Mangels Digicam musste mein Handy für ein Bild herhalten. Leider ist das Bild extrem verwackelt, da das Mädel, dass das Bild gemacht hat beim Anblick von Kaschte irgendwie extrem angefangen hat zu zittern O_o Es sei ihr verziehen, immerhin konnte sie mit ihrer Frage den eigentlich eher schwer erreichbaren Alex knacken. Die Frage nach seinen Katzen ließ ihn aufhorchen und er hat sich mehrere Minuten zur Beantwortung Zeit genommen, da musste alles andere warten. Wen es interessiert: Die Viecher wohnen bei seiner Exfreundin (a.Ura?) und er hat mittlerweile einen Hund. Soso. Nachdem mein Tourshirt endlich erstanden war, ist mir noch Thomas Rainer über den Weg gelaufen, der auch direkt sein Servus auf meiner Eintrittskarte hinterlassen durfte. Das liebe ich an diesen extrem kleinen Clubs oder wenn die Künstler nicht so bekannt sind. Es ist alles familiärer. Wie dem auch sei, ein geiler Abend ging zu Ende und man machte sich auf die Heimreise.

Alles in allem eines der besten Konzerte, bei denen ich bisher war. Leider macht sich Samsas Traum allgemein sehr rar, aber man sollte bedenken, dass dies erst die offiziell zweite Tour der Bandgeschichte war und das da vielleicht noch einiges kommt. Man wird sehen…

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Anarchox am 21. September 2007 in Musikalisches