Monatsarchiv für Januar 2010

Angriff auf die Freiheit

So, nach einem halben Jahr kreativer Pause geht’s hier endlich mal weiter ;)

Beginnen möchte ich dieses Jahr mit einem Buchtipp und zwar “Angriff auf die Freiheit” von Ilija Trojanow und Juli Zeh. Auch der Untertitel “Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte” lässt keinen Zweifel, worum es in diesem Buch geht.

Mit teils ironischem Unterton wird der Leser direkt angesprochen und durch Fallbeispiele und die Geschichte der Bürgerrechte gelenkt. Allerdings gibt es keine Aufzählungen oder ein vollständiger Abriß über alle seither eingeleiteten Maßnahmen gegen die Freiheit. Viel mehr wird das Problem gesellschaftlich angegangen, Gründe in der Vergangenheit und Gegenwart gesucht. An dieser Stelle bin ich nicht immer ganz konform mit den eigentlichen Ursachen für die aktuelle Bürgerrechtslage, aber immerhin ist das Buch für viele ein Schubs in die richtige Richtung.

Interessant ist allerdings, wie der gute alte Terrorist im Buch abgehandelt wird. Sehr detailiert wird hier auf die Rhetorik von Politikern und Journalisten eingegangen und aufgezeigt, dass mit dem “Terroristen” ein “Wesen” geschaffen wurde, dass außerhalb unserer Gesellschaft steht und somit keinem bisher gültigen Recht unterworfen ist. Für dieses Wesen werden die Gesetze verabschiedet, nicht für den braven Bürger. Wer bestimmt aber, wann die Grenze von Bürger zu Terrorist überschritten ist? Anhand von erschreckenden Zitaten, von beispielsweise unserer Bundeskanzlerin, wird klar, dass die Grenzen enger gezogen sind, als man denkt.

Das Buch bietet sehr viele interessante Ansätze, die leider nicht immer komplett behandelt werden können, dies würde den (mit guten 100 Seiten) sowieso schon knappen Rahmen sprengen und wahrscheinlich mehrere andere Bücher füllen. Ein guter Überblick über Sinn und Unsinn von Terrorgesetzen, dem Gebilde des “Staates” an sich, dem Leben in der Vergangenheit und Zukunft bietet es allemal. Hellseherische Fähigkeiten werden sogar mit dem erwähnen des Nacktscanners deutlich, der aktuell für Gesprächsstoff sorgt. Zum Erscheinungszeitpunkt des Buches verrosteten die Geräte noch im Keller des EU-Parlaments und die Autoren waren sich schon sicher, dass man diese noch einmal hervorholen wird.

Leider wird auch dieses Buch wohl nur von denen gelesen, die über das Thema schon bestens informiert sind. Aber vielleicht ist gerade die geringe Seitenanzahl ein Argument, faule Leser für das Thema zu begeistern. Ein ausführliches Quellenverzeichnis runden den guten Eindruck des Buches ab.

Fazit: Ein nicht zu überladener Überblick und gleichzeitig Apell an Politik und Gesellschaft, dem Überwachungswahnsinn ein Ende zu setzen und mehr Sensibilität zu Daten und dem Umgang mit diesen.

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Anarchox am 20. Januar 2010 in IT-Krempel, Lesestoff, Politisches