Lichtspielhaus II
Tron. 1982 ein Meilenstein der Computeranimation, erhält mit Tron: Legacy von Disney nach fast 30 Jahren endlich einen Nachfolger.
Die Story ist schnell erzählt. Kevin Flynn, am Ende des ersten Teils rechtmäßiger Inhaber von Encom, verschwindet spurlos und hinterlässt seinen 7jährigen Sohn Sam. 20 Jahre später ist dieser rein rechtlich in die Fußstapfen seines Vaters getreten, will jedoch von seinem erfolgreichen Softwareunternehmen nichts wissen und genießt die Rolle als Herumtreiber. Auf die Initiative Alan Bradleys, einem guten Freund seines Vaters und gleichzeitig dem Schöpfer des Programms Tron, untersucht Sam die Räumlichkeiten der alten Spielhalle von Flynn und gelangt wie einst sein Vater auf den Raster. Die Welt, die sich sein alter Herr über die Jahre dort aufgebaut hat, wird beherrscht von Clu, dem computergenerierten Ebenbild Flynns. Sam macht sich auf, seinen Vater zu suchen und Clu davon abzuhalten, nicht nur die virtuelle Welt zu beherrschen…
Disney führt die Geschichte mit vielen Querverweisen auf den Vorgänger konsequent fort und liefert in zeitgemäßer 3D-Optik ein visuelles Fest ab. So bombastisch die obligatorischen Lichtrennen auf dem Spieleraster auch sind, gibt es trotzdem an der Optik etwas zu meckern. Einerseits sieht der düstere Gesamteindruck natürlich schick aus, macht jedoch aufgrund der Farbarmut den angepriesenen 3D-Effekt weitgehend zunichte. Viel schlimmer: Was sich 1982 eindeutig im Computer abgespielt hat, könnte jetzt schlicht und einfach ein anderer Planet sein. Nichts weist auf das digitale Selbst der Protagonisten hin, alles ist hochdetailliert und einfach…real. Natürlich, ein Technik- oder Optikvergleich mit einem 30 Jahre alten Film ist unmöglich und es wäre wissenswert, wie die Macher die Welt 1982 dargestellt hätten, wären die technischen Möglichkeiten die heutigen gewesen. Dennoch fehlte meiner Meinung nach an jeder Ecke der gewisse Nerdfaktor. Viel zu sehr Mainstream, da machen die, soweit ich das erkennen konnte, echten Linux-Befehle in der Konsole auch nichts mehr gut. Auch fehlt mir eine Erklärung, wieso die bunte und digital „blühende“ Welt aus Tron plötzlich zerstört und schwarz ist. Man kann sich denken, dass Clu, in seinem Wahn, die Schuld trägt, aber bestätigt wird das nirgends. Die Dialogszenen sind leider auch eher belanglos. Das ganze wird jedoch aufgelockert durch einige Insider des Vorgängers („..eine Mordstür…!“). Auch können sich die stellenweise an Star Wars erinnernden “Diskus-Duelle” sehen lassen.
Fazit: Eine Optikbombe, die inhaltlich leider nicht so ganz mithalten kann. Jedoch sind die Kampf- und Rennszenen auf dem Spielraster (und in der Luft!) tatsächlich so unterhaltsam und beeindruckend, dass sich der Kinobesuch lohnt. Für Fans ein Muss, Tron ist und bleibt eben Kult. Alle anderen dürfen weg sehen, müssen es aber nicht.
Anarchox am 01. Februar 2011 in Cinematisches
