Monatsarchiv für März 2011

Gaming Classics: Unreal

Ende 1998 fütterte ich meinen damaligen Rechner – Pentium III 450Mhz mit 32MB, oder waren es schon 64MB?! RAM – mit dem besten Shooter seiner Zeit, dessen Multiplayer-Nachfolger meine Jugend entschieden prägen sollte. „Unreal“ hieß das gute Stück Software und es schlug mich von der ersten Minute an in seinen Bann. Ich musste den Titel trotz guter Hardware zwar ohne die damals noch recht neue 3D-Beschleunigung spielen (die Engine unterstützte in Ihrer Urfassung noch kein Direct3D, nur 3dfx und diverse andere Standards, die es mittlerweile nicht mehr gibt), dennoch gehört die  Welt, die Epic Games damals auf meinen kleinen Röhrenmonitor zauberte, heute noch zu den atmosphärischsten Umgebungen, die ich je virtuell betreten durfte.

Wie so oft strandet man auf einem fremden Planeten. Diesmal in einem abgestürzten Gefangenentransporter. Überall herrscht Chaos. Überall Schreie, Leichen, und zerstörte Gänge. Als Gefangener 849 schlägt man sich durch das von Explosionen erschütterte Raumschiff. Was war das? Schreie hinter der Tür! Langsam gleitet das schwere Hindernis nach oben. Ein blutiges Massaker fand hier statt. Man erkennt gerade noch, wie eine seltsame, reptilienartige Kreatur grunzend im Nebel verschwindet. Irgendwas ist hier! Trotzdem schafft man es unbeschadet aus den Trümmern und betritt eine fremde, schöne Welt. Vögel kreisen am Himmel, kleine Tiere grasen, am Horizont schießt ein Wasserfall aus dem Fels, nur um sich selbstmörderisch in eine ewige Tiefe zu stürzen. Willkommen auf Na Pali.

Die brandneue Unreal-Engine bot eine nie dagewesene Detailfülle und Special-Effects. Lichter blendeten einen, Böden spiegelten perfekt die komplette Umgebung und prasselnde Feuer warfen warmes, flackerndes  Licht auf die Wände. Wasser wirkte nass, Lava wirkte heiß und brodelnd. Die Engine schaffte es spielend, alte verfallene Tempel und Arenen, ganze Burgen, aber auch hochtechnisierte Raumschiffe glaubwürdig auf den Bildschirm zu bringen. Eingebettet wurde dies in wunderschöne Landschaften. Beeindruckend waren auch die Größenverhältnisse. Man konnte ganz weit in der Ferne einen kleinen Turm sehen. Bis man jedoch dort war, konnte man von ruhigen, verträumten Klängen begleitet minutenlang laufen und sich die Umgebung ansehen. Man kam an Bauernhöfen vorbei, konnte kleine Fliegen über Seen surren sehen, nur um am Ende von der monumentalen Größe des soeben noch fernen und klein wirkenden Turms erschlagen zu werden. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich einfach nur mit offenem Mund Screenshots von der Landschaft gemacht habe.

Unreal bestach damals nicht nur durch die revolutionäre Grafik, auch dramaturgisch hatte das Spiel einiges zu bieten. Beispielsweise konnte man ungestört einen Minenschacht passieren und an dessen Ende die Energiezufuhr abschneiden. Die Musik verstummte. Die Lampen schalteten sich nacheinander ab. *klack* *klack* *klack*… Dunkelheit. Etwas grunzte. Mit einem Donnerschlag setzt die Musik gleichzeitig mit dem Licht wieder ein und man sieht sich einem Skaarj gegenüber, reptilienähnliche, humanoide Kämpfer mit zentimeterlangen Klauen. Die Gegner-KI gehörte mit zum Besten auf dem Markt. Wer einmal seinen Raketenwerfer mit drei Raketen vorgeladen hatte, nur um dann ungläubig zu sehen, wie alle drei Sprengkörper am mit einem Hechtsprung ausweichenden Gegner vorbeigeflogen sind, weiß, was ich meine.

Das monumentale Leveldesign und die atmosphärischen Landschaften wissen heute noch zu begeistern. Unreal läuft problemlos auf einem aktuellen Windows 7 Rechner, sofern der aktuellste Patch (227f) installiert ist. Wer einen der technisch besten und atmosphärischsten Shooter aus den späten 90ern spielen möchte,  sollte sich Unreal nicht entgehen lassen. 

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Anarchox am 09. März 2011 in Gaming

E10

Kurz und knapp:


Der neue E10-Sprit wird schlecht vom Verbraucher angenommen und die Regierung samt dahinterstehender Wirtschaft heult. Als Grund heißt es: “Wir haben nicht genug Werbung gemacht!” Von wegen. Aha. Nur wegen der fehlenden Werbung. Im Umkehrschluss heißt das, wir fressen alles, wenn nur genügend Werbung gemacht wird. Ich weiß. so habt ihr uns da oben gerne. Diesmal noch nicht. Nur weil die Verbraucher sich (bisher) nicht verarschen lassen und diesen Mist einfach nur ablehnen, heißt es, die fehlende Werbung wäre schuld. Idioten.


Dem deutschen liebstes Kind ist nun einmal das Auto. Da geht er kein Risiko ein. Von den sonstigen angeblichen Vorteilen einmal abgesehen, wird man hier preislich verarscht. Die, die kein E10 tanken können, sollen demnächst dann auf das teure Super Plus umsteigen. Achja, mit E10 gibt es mehr Verbrauch bei weniger Leistung, was den angeblichen Preisvorteil wieder zunichte macht. Soviel dazu. (Quelle ADAC, sucht selbst :p )

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Anarchox am 07. März 2011 in Aufreger, Real-Life

Kugelhagel

(Bulletstorm Review)
Im 26. Jahrhundert hat sich viel verändert, aber manches ist gleich geblieben. Militär, Piraterie, hinterhältige Spezialeinheiten. Und natürlich Rache. Weltraumpirat Grayson Hunt muss unter widrigen Umständen erfahren, dass er und seine Truppe jahrelang als Werkzeug für den Mord an Unschuldigen herhalten mussten. Der Drahtzieher, General Sarrano, soll dafür büßen. Nach einer Weltraumschlacht erwachen beide Parteien auf dem paradiesischen Planeten Stygia in den Wracks ihrer Raumschiffe. Jedoch liegt zwischen Sarrano und Grey eine gefährliche Welt voller Mutanten, fleischfressenden Pflanzen und eine vorlaute Schönheit namens Trishka.
Die Story des First-Person Shooters gewinnt sicher keinen Innovationspreis, dafür kann das Gameplay voll Punkten. Die Gegner müssen möglichst kreativ um die Ecke gebracht werden. Was in der Kurzfassung langweilig oder einfach nur plump klingt, wurde jedoch extrem gut umgesetzt. Mit dem sogenannten „Skillshot“-System gilt es, die Waffen, Körperteile und vor allem die Umgebung zu nutzen. Je mehr heilloses Chaos man dabei anrichtet, desto mehr Punkte gibt es. Mit einer neuen Waffe eröffnen sich auch neue Möglichkeiten und die verschiedenen verfügbaren Skillshots sind in einer Waffendatenbank einsehbar. Ein „Schieß dem Gegner in die Eier und tritt ihm dann den Kopf von den Schultern“ klingt brutaler als es ist. Die Gewalt bewegt sich nämlich auf einem extrem übertriebenen Comic-Niveau irgendwo zwischen Tiny Toons und der Coyote Willy jagd Roadrunner – Kabbelei. Blutig bleibt das ganze trotzdem. Auch die Dialoge sind derb, aber entsprechend lustig und gerade diese überzeichnete Gewalt lässt einen teilweise Tränen lachen. Wenn man sich beispielsweise um jeden Preis leise bewegen muss, sprengt man garantiert mit dem nächsten Schritt unabsichtlich durch eine selten dämliche Kettenreaktion ein halbes Haus in die Luft.
Einfach „in die Eier“ schießen ist natürlich irgwendwann langweilig. Wie wäre es also, den Gegner mit einem schnellen Slide von den Füßen zu stoßen und direkt danach mit einem Sniper-Gewehr, dessen Kugel man in feinster Bullet-Time Manier aus der Ich-Perspektive steuern kann, einen sauberen Headshot zu verpassen? *bling bling bling* Skillshot „Ikarus“ freigeschaltet. Achja, man könnte ihn mit seiner Peitsche auch zu sich hinziehen und sobald der Gegner in Reichweite ist, ihm einen Tritt verpassen, so dass er in einem nahegelegenen Kaktus landet und aufgespießt wird. *bling* „Voodo-Puppe“. Dies sind nur die einfachen Beispiele. Das Gameplay sprüht hier nur so durch Kreativität. Das Waffenarsenal ist reichhaltig, von Sturmgewehr über Pumpgun, bis hin zu exotischen Schießeisen wie einem Bohrerwerfer ist alles dabei. Mit den damit verdienten Punkten schaltet man neue Skillshots frei, die wiederum weitere Aktionen ermöglichen. Oder aber man investiert in Munition und erweiterte Magazine. Abwechslung gibt es durch beeindruckende Bosskämpfe. Im letzten Drittel muss man es gar mit einem Untier der Marke Godzilla aufnehmen, dessen schiere Größe selten in einem Spiel zu sehen ist und einen erst einmal von den Socken haut.
Die betagte Unreal Engine 3 zeigt hier, was noch in ihr steckt. Die Außenszenarien sehen bombastisch aus und werden durch gleißenden Sonneneinfall atmosphärisch bereichert. Auch die Charaktermodels wissen zu gefallen. Bei der weiblichen Begleiterin Trishka haben die Entwickler sogar an die Schwerkraft gedacht ;)
Trotzdem läuft das Spiel auch auf einem älteren System noch ausreichend flüssig, was vielleicht auch am Konsolenport liegt.
Auf jeden Fall sollte man die Finger von der deutschen USK-Version lassen. Hier wurde alles rausgeschnitten, was das Spiel ausmacht. Man kann es mit einem Fußballspiel ohne Ball oder einer Runde Eishockey ohne Puck vergleichen: Sinnlos.
Ansonsten ist der Titel alles in allem bisher das Highlight des noch jungen Spielejahres. Das Skillshot-System bereichert das Gameplay und es macht Spaß, neue Methoden auszutüfteln, die den Gegnern das Leben schwer machen. Eindeutige Kaufempfehlung.

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Anarchox am 07. März 2011 in Gaming