…for the lulz!
Aktuell geht es hoch her, in den Weiten des Internets. Nicht erst seit gestern marodiert die Gruppierung “Anonymous” durchs Netz und legt Behörden und Firmenwebsites lahm. Hohe Wellen schlug das Verhalten erstmals bei der “Rache” an den Wikileaks-Gegnern, in dem die Serverstrukturen per DDoS-Attacke lahmgelegt wurden.
Seit kurzem jedoch macht eine “neue” Gruppierung namens “LulzSec” von sich reden. Auch hier werden offizielle Ziele angegriffen und lahmgelegt. Im Gegensatz zu Anonymous, die sich (auch in Anlehnung an den Film “V wie Vendetta“) als “Stimme des kleinen Mannes” bzw der “Digital Natives” präsentieren, wieß LulzSec in den letzten Wochen eher chaotisches Verhalten an den Tag und griff sogar Loginserver von beliebten Onlinespielen an. Darüber hinaus wurden auch Mailadressen und Accounts von mehr als 60.000 Usern gestohlen. Hier ist das Maß jedoch ganz klar voll, da auch der normale User mit einbezogen wurde. Ich persönlich vergleiche LulzSec gerne mit dem Joker aus Batman. Genial, aber wahnsinnig. Dazu passt, dass die Aktivisten extra einen Anrufbeantworter geschaltet hat, auf dem die neusten “Hackwünsche” hinterlegt werden konnten. Damit wir uns richtig verstehen: Diese Leute sind alle keine “Hacker” im Sinne der Hackerethik. Es sind und bleiben Cracker, im Kern wahrscheinlich sogar nur irgendwelche Kiddies. Ich habe keine Probleme damit, wenn Banken oder Weltkonzerne für unrühmliches Verhalten “diszipliniert” werden. Sobald jedoch Kundendaten gestohlen, benutzt oder noch schlimmer, veröffentlicht werden, ist jedoch die Grenze zu den “lulz” definitiv überschritten.
Nach anfänglichem Kleinkrieg haben beide Gruppierungen bekannt gegeben, ab jetzt unter dem Banner “AntiSec” gemeinschaftliche Aktionen zu verüben (Twitter von LulzSec und Anonymous).
Die Agenda ist klar gesteckt:
Top priority is to steal and leak any classified government information, including email spools and documentation. Prime targets are banks and other high-ranking establishments. If they try to censor our progress, we will obliterate the censor with cannonfire anointed with lizard blood.
Ich bin gespannt, wie das Thema sich weiter entwickelt. Hier kann ich beide Seiten verstehen: Einerseits die Sympatisanten, aber auch die Kritiker. Denn die Medaille hat in der Tat, wie so oft, zwei Seiten.
Einerseits ist es natürlich toll, dass “denen” gezeigt wird, wo der Hammer hängt. Ihr wollt uns zensieren? Ihr wollt uns in “unserer” Welt sagen, was wir zu tun oder zu lassen haben? Wir lassen uns das nicht gefallen und holen uns unsere Rechte zurück! Klar das klingt toll, das ist auch toll. Der Anonymous-Leitspruch “We are anonymous – We are Legion” stimmt einfach und passt wie die Faust aufs Auge. Generell ist diese “Freiheitsbewegung” aktuell zu erkennen. Sei es im Länderdomino, dass mit Ägypten begann, oder eben mit diversen Wikileaks-Veröffentlichungen und allgemeinen Aktionen.
Man muss sich jedoch auch kritisch die Frage stellen: Wem nutzt es? Die GEMA-Webseite ist stundenlang nicht erreichbar. Na und? Durch eine reine DDoS-Attacke kann man hier nicht viel reißen, zumal dann auch die Rufe in der Politik lauter werden, doch endlich etwas für mehr Sicherheit zu tun. Und Sicherheit heißt in Berlin direkt mehr Überwachung. Und eben nicht nur dort.
Dieser ganze Krieg läuft vollkommen hinter den Kulissen ab, das heißt, der normale Surfer, der sich nicht für die Hintergründe interessiert, bekommt gar nicht mit, dass hier auch seine Interessen eine Rolle spielen. Meiner Meinung nach ein extrem spannendes Thema, wie aus einen Cyberthriller. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht.
Anarchox am 21. Juni 2011 in IT-Krempel, Politisches


