Meine Meinung zur gestrigen Debatte im Bundestag zum Zensurgesetz bringt die folgende Mail zum Ausdruck, die ich an den für meinen Wahlkreis zuständigen Abgeordneten Gustav Herzog gesendet habe. Dieser war sich im Vorfeld noch nicht recht sicher, auf welcher Seite er steht, hat aber letztendlich FÜR das Gesetz gestimmt.
Hier meine Mail, sobald ich eine Antwort erhalte, werde ich diese hier natürlich veröffentlichen. Nebenbei denke ich noch über eine Mail an unseren Bundespräsidenten nach…
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Sehr geehrter Herr Herzog,
da Sie der für meinen Wahlkreis zuständige Abgeordnete sind, wende ich mich direkt an Sie.
Ich musste leider feststellen, dass Sie sich gestern Abend FÜR das Zugangserschwerungsgesetz (dass ich Zensurgesetz nenne) ausgesprochen haben. Aus Ihren Antworten im Abgeordnetenwatch zu diesem Thema schließe ich, dass Sie sich bis vor kurzem zu diesem Thema noch nicht sicher waren. Wie ich nun sehe, haben Sie sich entschieden, deshalb würde ich das Thema gerne noch einmal aufgreifen.
Ich bin weder SPD-Mitglied noch SPD-Wähler. Aber Sie können sich sicher sein, dass mein Bekanntenkreis meine berufliche Qualifikation (IT-Bereich) sehr ernst nimmt und mich zu den Folgen des Zensurgesetztes befragt hat. Nach der Aufklärung meinerseits ist nach der gestrigen Debatte keiner mehr bereit, SPD zu wählen.
Die Frage ist nur, ob Sie das in irgendeiner Art und Weise betrifft, haben Sie doch gezeigt, dass Ihnen selbst die Meinung von über 130.000 Bundesbürgern bei der größten Onlinepetition aller Zeiten egal ist. Ich frage Sie: Ab wievielen Mitzeichnern wäre denn für Sie die kritische Masse derer erreicht, die man ernstnehmen muss? Ab wievielen Stimmen aus dem Volk wird auf selbiges gehört? Ich habe in der Schule gelernt, dass bei einer Demokratie die Macht vom Volke ausgeht. Dieser Ansatz hat beim aktuellen Gesetz leider voll versagt. Ich hoffe Sie beziehen sich nicht auf die Allensbacher Studie um den 130.000 Unterzeichnen 91% der Bevölkerung entgegenzuhalten. Gerade Sie als Politiker wissen um die Macht der Worte, deshalb brauche ich Ihnen nicht zu erklären, dass man mit solchen Studien jedes gewünschte Ergebnis erhält, wenn man nur die Fragen richtig stellt. Der grösste Hammer in dieser Studie ist der, der Internetnutzung. So wird jeder, der das Internet mindestens einmal täglich nutzt, als starker Internetnutzer gezählt. Mit Verlaub, dieser Vergleich ist genauso abwegig, als wenn ich sagen würde, jeder der sein tägliches Feierabendbier genießt, wäre ein Alkoholiker.
Selbst meine Mutter und meine Großmutter, die im Internet nur täglich ihre Handvoll Rezeptseiten abklappern, zählen somit zu starken Internetnutzern. Und glauben Sie mir, von den Seiten vom Maggi Kochstudio gerät man nicht auf Kinderpornoseiten.
Und nun zu Ihren Kollegen von der Koalition. Auf Herrn Dörmann werde ich nicht eingehen, schließlich hat sich dieser bereits im Vorfeld selbst disqualifiziert:
“Es sei zwar zweifelhaft, ob diese auf Drängen von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) zustande gekommenen Vereinbarungen den rechtsstaatlichen Anforderungen genügen. Doch eine mögliche gerichtliche Überprüfung könne Jahre in Anspruch nehmen.”
Zitat Dörmann (Quelle) Da blieb mir erst einmal die Spucke weg. Einem Politiker, der so offen zugibt, nicht rechtstaatlich zu handeln, gehört meiner Meinung nach das Mandat sofort entzogen! Wie ist Ihre Meinung dazu?
Kommen wir zu Frau Noll. Argumente? Fehlanzeige. Das einzige was ich hier hörte war: “…aber die Kinder!….die Kinder! Wir müssen an die Kinder denken!” Wissen Sie, was die Kinder denken? Sagt Ihnen der Verein “mogis” etwas? mogis bedeutet “MissbrauchsOpfer gegen InternetSperren” Der Name ist Programm. mogis wurde mit keinem Wort erwähnt. Dem Gründer Christian Bahls, selbst Missbrauchsopfer, ist laut einem Interview , ich zitiere: “….das Essen hochgekommen.” als er Frau von der Leyen zugehört hat. Die Mitglieder von mogis fühlen sich nochmals missbraucht. Soviel zu “den Kindern…”.
Leider konnte ich den Rest des Streams nur noch bruchstückhaft verfolgen, da die Server aufgrund des Ansturms in die Knie gingen. Was ich hingegen von der Opposition hörte, waren Argumente. Hand- und Stichfeste Argumente. Hier wurde alles angesprochen. Die Angst, dass eine Zensurinfrastruktur errichtet wird, die Angst, dass bald weitere Inhalte auf der Zensurliste landen werden. Und die Debatte war keine 10 Minuten vorüber, da kamen schon erste Meldungen: Thomas Strobl will “Killerspiele” auf die Liste setzen (Quelle). Der Augenblick für eine solche Meldung kann nicht dreister gewählt werden. Ich gebe Ihnen Brief und Siegel, allerspätestens nach dem nächsten Amoklauf stehen “Killerspiele” auf dieser Liste. Dies wird kommen. So wie es Ihnen auch die Kollegen der Opposition während der Debatte klargemacht haben. Siehe Mautdaten. Siehe Vorratsdatenspeicherung. Die Begehrlichkeiten aus allen Fraktionen sind gross.Nicht zu vergessen, die diverser Konzerne. Dem einzigen Lichtblick in Ihren Reihen, Herrn Tauss, wurde unverschämterweise zunächst der Mund verboten.
Was die Bundesregierung hier tut, ist wegsehen. Mit der Stoppseite hängen sie einen Vorhang vor eine Vergewaltigung. Im echten Leben könnten Sie das Kind noch schreien hören… Dass es auch anders geht, zeigen private Vorstöße diverser Gruppen. Mitnichten liegen die Server mit illegalen Inhalten in schwer erreichbaren Ländern. Hier sehen Sie die Verteilung: Karte der Kinderporno-Server Ja, der kleine Punkt in Europa ist Deutschland. Nach dem Anschreiben an die Provider dieser Länder, wurden die Inhalte schnellstmöglich gelöscht. Ich weiss nicht, was das BKA als “nicht zumutbaren Aufwand” empfindet, aber ein paar E-Mails sollten drin sein. Dass die Sperren wirklungslos sind, und in wenigen Sekunden umgangen werden können, wissen Sie hoffentlich bereits. Die Konsumenten von Kinderpornographie sind sich durchaus bewusst, was sie da tun. Natürlich wissen diese, wie man so etwas umgeht. So wie ich es verstanden habe, wollen Sie jedoch solche Leute wie meine Mutter/Großmutter – den normalen Surfer eben – davor schützen. Wie gesagt… der normale Surfer bekommt so etwas nie zu Gesicht – dies kann ich Ihnen nach 11 Jahren Interneterfahrung versichern. Zumal die Hauptversorgungsquelle für Kinderpornokonsumenten nicht das www ist, sondern eher Usenet, FTP, oder schlicht und einfach CD- und Festplattentausch.
Dass sich Herr Schaar hier mit Händen und Füßen wehrt, ist verständlich. Jahrelang predigt er Datenschutz in Politik und Wirtschaft, aber mehr als ein müdes Lächeln bekommt er nicht. Und plötzlich wird er zu einer Mammutaufgabe fern seines Aufgabenbereiches hinter dem Ofen hervorgezogen. Was soll das?
Jedenfalls hat die SPD jegliches Vertrauen der Wähler und gerade der Jungwähler verspielt. Selbst Ihr eigener Onlinebeirat wird der Partei nun, wie angekündigt, den Rücken kehren, was den Wahlkampf im Netz für Sie noch schwerer macht. Wenn ich mir die desaströsen Ergebnisse der Europawahl so ansehe, frage ich mich, was Sie und Ihre Partei gemeinsam mit der CDU hiermit erreichen wollten…
Der Hinweis auf das Grundgesetz: “Eine Zensur findet nicht statt….”
Da Sie als Abgeordneter selbstverständlich zu Ihrer Meinung stehen und für transparente Politik sind, haben Sie sicher nichts dagegen, wenn ich diese Mail und Ihre hoffentlich bald folgende Antwort in meinem Blog veröffentliche.
Auf Ihre Stellungnahme zu diesem Thema freue ich mich und verbleibe
Mit freundlichen Grüßen,
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PS: Können Sie mir vielleicht sagen, wieso Frau von der Leyen persönlich NICHT bei der Debatte dabei war? Dies empfinde ich als eine grobe Frechheit! Wenn diese Frau schon einen Sturm lostritt, muss sie sich auch Blitz und Donner stellen… Im übrigen habe ich nach der Debatte meinen DNS-Server geändert. 20 Sekunden Aufwand…laut Frau von der Leyen sind versierte Internetnutzer allerdings pädokriminell, muss ich mir jetzt Sorgen machen?
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