Bye Bye Beautiful
Nightwish – 25.02.2008 – Frankfurt – Jahrhunderthalle
Ich konnte mich bereits im Jahr 2004 in Trier von den Livequalitäten Nightwishs überzeugen. Da wurde einiges geboten. Dass die Jungs spielen können ist bekannt, dass Tarja singen kann auch. Aber die Tarja-Ära ist nunmal vorbei. Ich kann im voraus sagen: gut so!
Die interessanteste Frage war im voraus wohl, wie sich die “Neue” Anette Olzon wohl schlagen würde. Auf dem aktuellen Album macht sie ihren Job sehr gut, aber kann sie in die sopranen Fußstrapfen von Tarja Turunen treten? Ja! Mehr dazu später.
Als Vorgruppen durften zunächst die eher unbekannten “Krieger” einheizen. Lauter, gut gespielter Deutschrock mit Onkelz-Einschlag, aber nichts besonderes. Nicht so recht passend, trotzdem vom Publikum akzeptiert.
Licht aus, Umbauphase. Recht flott.
“Pain” hingegen trafen nun den Geschmack der Anwesenden zum allergrößten Teil direkt. Auch wurde hier natürlich qualitativ und Soundtechnisch in einer ganz anderen Liga gespielt, das war sofort klar. Die Truppe um Peter Tägtgren (Hypocrisy) ging direkt in die Vollen, besetzte springend und headbangend die Monitore und forderte mit ihren elektronisch angehauchten Gitarrenklängen die ganze Aufmerksamkeit. Leider zu schnell vorbei, das hätte länger sein können.
Tägtgrens Ankündigung der “mighty Nightwish” tröstete da natürlich über einiges hinweg, das erneute Löschen des Lichts dauerte allerdings diesmal länger.
Jukka’s Umrisse am Schlagzeug waren dann endlich das sichere Anzeichen, dass die metallische Reise weitergeht. Mit Bombast, so wie man es von Nightwish kennt, wurden direkt Massen an Pyroeffekten verballert, während die restlichen Bandmitglieder ihre Positionen bezogen. Ja wo bleibt denn Frau Olzon? Pünktlich zu den ersten Gesangslinien von “Bye Bye Beautiful” erschien die zierliche neue Frontfrau auf der Bühne und zog natürliche sämtliche Blicke direkt auf sich, nur um den Abgesang auf ihre Vorgängerin stimmlich zu untermalen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt, diese klare Message direkt zu Anfang zu bringen. Ohne Pause ging es weiter mit “Amaranth”.
Konnte man bisher noch mehr oder weniger friedlich herumstehen, gab es nun vor der Bühne kein halten mehr. Da flogen die Haare, da pogte der Fan. Mein persönliches Highlight ist und bleibt das Gesicht eines Kumpels, der das erste Mal überhaupt auf einem Konzert war (Soll’s anscheinend geben). Dieser entsetzte Blick, als die Welle vom Moshpit bei ihm ankam, war einfach unbeschreiblich =D
Fast das gesamte “Dark Passion Play”-Album wurde dargeboten und hier konnte Anette auch voll Punkten. Das erste Stück, dass eigentlich für Tarja geschrieben wurde, war an diesem Abend “Dark Chest of Wonders”. Man war gespannt und es kann eigentlich Entwarnung gegeben werden. Anette versuchte erst gar nicht, in die Gesangslinien von Tarja einzusteigen und machte ihr eigenes Ding. Ihre Stimme passte auf jeden Fall, wirkte hier und da nur etwas dünn, was wohl am direkten Vergleich liegt, den man automatisch zieht, da man Tarja’s Stimme natürlich im Kopf hat. Dies alles wurde allerdings komplett durch die Präsenz von Anette gut gemacht. Sie hüpfte, sie tanzte, sie bangte. Tarja? Stand da und sang, ihre Luftgitarrenversuche konnte man eigentlich übersehen. Anette hingegen lachte und freute sich das ganze Konzert durch, flirtete richtig mit den Fans. Ihre Ansagen hingegen wurden von etwas kindlicher Naivität unterstrichen. Zuckersüß, hier sollte sie etwas mehr aus sich heraus kommen. Aber das wird noch, da bin ich überzeugt.
Nach einem Zugabeblock, der unter anderem den Klassiker “Wishmaster” und “Wish I had an Angel” zu bieten hatte und der einem die letzten Kraftreserven entzog, gab sich Frau Olzon noch die Ehre im Graben Hände zu schütteln (bei Tarja undenkbar!) und stieß dann wieder zu ihren Bandkollegen, um bei der gemeinsamen Verbeugung teilzunehmen.
Noch während des Jubelns mussten wir uns dann noch zum Merchandising durchschlagen um das obligatorische Tourshirt zu ergattern.
Die Angst war also unbegründet. Nach Tarja’s Rauswurf fragten sich viele, wie es denn nun weitergeht. Die Jungs taten gut daran, keine stimmliche Nachfolge von Tarja zu suchen, diese hätte sich automatisch mit ihrer Vorgängerin vergleichen lassen müssen und seien wir ehrlich, diesem Vergleich wohl nicht stand gehalten. Statt dessen wählten sie eine normale Stimme, die von Anfang an jeden Vergleich ausschließt und den Liedern eine neue, rockigere Note mitgibt. Eine gute Entscheidung, wie die Chartpositionen der “Dark Passion Play” beweisen. Und live…? Wer ist Tarja….?
Bye Bye Beautiful…
Anarchox am 11. März 2008 in Musikalisches
